Uedem Einzigartig — lebenswert und liebenswert

Bürgerinitiative für eine wirksamere, günstigere und schonende Alternative zum Bau einer geplanten B67n

Geschichte

Aus dem Vorwort zu „Geliebte Niederrheinlande — Streifzug durch eine alte Kulturlandschaft“, Pagina Verlag, Goch

von Annabel Gräfin von Arnim

Am Niederrhein sind die Landschaften leise. Sie überwältigen nicht, sie drängen sich nicht auf. Sie erschließen sich nicht dem flüchtigen Reisenden. Und doch offenbaren sie jenem, der sie mit offenen Augen durchstreift, ihre verborgene Schönheit. Ihre Vielfalt verblüfft: ihr Reichtum an fruchtbaren Äckern, an Wäldern, Brüchen, Ebenen und Seen, Höhenzügen, Hügelland, Flussdünen und Auen.

Je mehr wir uns in dieses vielfältige Land vertiefen, desto stärker wächst es uns ans Herz. Und desto größer wird unser Interesse an seiner reichen Geschichte, seiner alten Kultur, an seinen vielen Baudenkmälern, an seinen Kunstschätzen. Das Land zwischen Rhein und Maas fasziniert.

Wer diesem Land sein Herz öffnet, wer es aus seiner Geschichte heraus betrachtet, den lässt es nicht mehr los. Wer gar hier aufgewachsen ist oder einen Teil seines Lebens hier verbracht hat, und wer von der heiteren Gelassenheit und Fröhlichkeit der Bevölkerung geprägt worden ist, für den sind und bleiben die Niederrheinlande das Größte. Er ist in Liebe gebunden.

Es war die Saale-Eiszeit, die die niederrheinischen Lande geformt hat. Vor 200000 Jahren reichten ihre Gletscher bis an den Rand der deutschen Mittelgebirge. Im Westen schoben sie Erdmassen und auch Findlinge bis auf eine Linie etwa Krefeld-Amsterdam. Der heute sogenannte niederrheinische Höhenzug ist Teil der Endmoräne, die sich bis nach Utrecht erstreckt. Es ist eine Stauchmoräne mit stellenweise steil abfallenden Kanten im Norden oder Nordosten.

Der Rhein musste den Gletschermassen ausweichen und suchte sich seine wechselnden Betten weiter westlich. So entstanden die heutigen nassen Bruchniederungen mit schweren Kleiböden, die allesamt Urstromtäler sind. Durch sie floss auch das Gletscherwasser ab, noch heute manchorts erkennbar an den steilen Abbruchkanten zum ehemaligen Flussbett.

Viel später, nachdem die Gletscher sich zurückgezogen hatten, kehrte der Rhein in sein altes Stromtal zurück und mäanderte fortan weit durch die Ebene. Er wusch sich seinen Weg durch die Endmoräne: die heutige Gelderse Poort.

Er spülte nicht nur schwere Lehmböden an, sondern auch große Mengen Kies und Sand, der sich zu Flussdünen auftürmte, ebenso wie an der Maas. Die zahlreichen Rheinarme, die sich gebildet hatten, dienen, seit der Strom eingedeicht wurde, nicht mehr als Handels- und Transportwege, sie träumen seither nur noch malerisch vor sich hin.

Auf den Höhenrücken und in den Brüchen erstrecken sich Wälder. Aber es wurden auch äußerst fruchtbare Ackerböden durch Rodung erschlossen, sie bildeten die Grundlage einer alten und ausgeprägten bäuerlichen Kultur. Ebenso wie die fetten Weiden in der Rheinniederung, die, regelmäßig durch das Rheinhochwasser gedüngt, Grundlage einträglicher Milchwirtschaft waren und sind. Prachtvolle Höfe zeugen hier wie dort vom Reichtum des Landes.

Die Geschichte des Niederrheines wird kurz und anschaulich beschrieben in den Versen Hanns Dieter Hüschs, von mir nur unwesentlich abgewandelt:

Die Kelten waren hier; die Römer waren hier,

die Franken waren hier, die Normannen waren hier,

die Spanier waren hier, die Franzosen waren hier,

die Preußen waren hier; die Engländer waren hier.

Und ich bin hier.

Die Franken sind geblieben, doch alle weiteren Völker haben ihre Spuren hinterlassen in der Kultur, vor allem aber in den Menschen selbst. Der Niederrheiner ist eine äußerst gelungene Mischung aller Eigenarten, die diese Völker mitbrachten. Nicht umsonst ­schrieb Karl Zuckmayer in seinem Drama „Des Teufels General“: „Das Rheinland das ist das Abendland!“

Die Geschichte des Christentums beginnt bei dessen Anfängen in römischer Zeit Sichtbares Zeugnis sind die Märthyrergräber im Xantener Dom. So ist die reiche Geschichte des Niederrheines aufs Engste verwoben mit dem Christentum. Entsetzliche Glaubenskämpfe wurden hier ausgetragen, aber auch Glaubensflüchtlinge aller Couleur fanden am Niederrhein Aufnahme und Bleibe. Allüberall im Land weisen die typischen spitzen Dorfkirchtürme in den Himmel, verstecken sich alte Klöster, stehen Hagelkreuze, Heiligenhäuschen, Kapellchen am Wegesrand, gibt es eine große Pilgertradition.

Die jüngste Prägung geschichtlicher Art war auch zugleich eine der prägnantesten: der Kampf um den Rheinübergang der Alliierten gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Aber auch hiervon hat sich das Land erholt. Die Menschen haben mit Gleichmut und Gelassenheit den Wiederaufbau gemeistert.

Man staunt über den Reichtum an wunderbaren Kirchen, an Rittersitzen, Burgen und Schlössern, die hübschen Altstädte mancherorts. Und erst die Gärten!

Die berühmtesten sind die Gartenanlagen des Prinzen Moritz von Nassau in Kleve, aber im ganzen Land öffnen an einigen Tagen die verschiedensten Gärten ihre Pforten, deren Besitzer eines verbindet: Liebe und Hingabe an ihre blühenden Paradiese.

Ab dem 17. Jahrhundert entdeckten niederländische Meister den Reiz des niederrheinischen Höhenzuges und fanden reiche Motive für ihre Bilder und Zeichnungen.

In einer wunderbaren Ausstellung in Moyland im Sommer 2014 waren viele dieser Bilder versammelt. Sie spannte den Bogen weiter über die Düsseldorfer Malerschule bis zu den Zeitgenossen und sie zeigte vor allem eines: die Faszination, die der untere Niederrhein auch auf die Augen des Künstlers ausübt.


 

Aus: „Gemeinde Uedem am Niederrhein“ von K.-H. Hohmann — Rheinische Kunststätten Heft 378

Lage

Im nördlichen Teil des Kreises Kleve liegt auf halbem Wege zwischen den Städten Goch und Xanten die Gemeinde Uedem; sie wurde 1969 aus dem Amt Uedem mit den Gemeinden Uedem, Keppeln, Uedemerbruch und Uedemerfeld gebildet und ist nach dem Landesentwicklungsplan I/II als „Unterzentrum mit weniger als 10 000 Einwohnern im Versorgungsbereich“ der ländlichen Zone zugeordnet.

Die Gemeinde zählt 1992 etwa 7 000 Einwohner und ist 60,94 qkm groß. Benachbarte Gemeinden sind u. a. die Stadt Goch* und Gemeinde Weeze* im Westen, die Städte Kevelaer im Südwesten, Xanten im Osten und Kalkar* im Nordosten. Im Süden wird das Gemeindegebiet von der Bundesautobahn A 57 (mit Ausfahrt Uedem) gestreift.

Uedem liegt auf den niederrheinischen Höhen. Der nördliche und nordwestliche Teil des Gemeindegebietes wird durch das Pfalzdorfer Plateau mit einer mittleren Höhenlage von 25-30 m Ü. NN eingenommen.

Im Süden und Südwesten durchschneidet das Uedemer Bruch mit einer Höhe von durchschnittlich 20 m die niederrheinischen Höhen zwischen dem Pfalzdorfer Plateau und dem Balberger Hochwald. Die ehemalige Bruchlandschaft weist in ihrem tiefsten, grundwassernahen und feuchteren Westteil vorwiegend Grünlandkultur auf, während auf den trockeneren Böden des Geländeanstieges nach Osten Ackerbau betrieben wird. Im Osten wird das Gemeindegebiet durch den in Nord-Süd- Richtung verlaufenden bewaldeten Stauchmoränenwall des Staatsforstes Hochwald mit Höhen bis zu 60 m ü. NN begrenzt, der steil zur Niederterrasse der Xantener Bucht abfällt.

Aufgrund seiner landschaftlichen Lage hat sich Uedem allmählich zu einem bevorzugten Wohnplatz entwickelt. ‚

Die Höfe von Uedemerfeld reihen sich ca. 5 km entlang der östlichen Kante der Sanderterrasse, die auf ihrer Fläche größtenteils vom Reichswald eingenommen wird. Diese Hoflagen bestätigen damit eine der bevorzugten Siedlungslagen am Übergang von feuchtem Niederungsbereich zur trockeneren Terrasse; die Sanderterrasse wird hier an ihrem östlichen Rand von Stauchwällen verstärkt, unterhalb derer die Höfe liegen, zwar trocken, aber grundwassernah.

Geschichte

Es kann angenommen werden, daß die Gegend zwischen Goch, Uedem und Weeze bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. In den Fundkarten von Tackenberg sind altsteinzeitliche Fundstellen für Goch und Uedem vermerkt.

Hinzuweisen ist auf das Kalbecker Hügelgräberfeld aus der Zeit des späten Neolithikums (Jungsteinzeit) zwischen Uedem und Goch. Beim Bau der Autobahn von Köln nach Nimwegen machte man im Kalbecker Forst eisenzeitliche Siedlungsfunde. Unweit des erwähnten Gräberfeldes im Kalbecker Wald wurde 1929 durch Gefäßfunde ein Friedhof mit 96 germanischen Brandgräbern bei Rodungsarbeiten entdeckt. Rudolf Stampfuß führte daraufhin 1930/31 umfangreiche Ausgrabungen durch, deren Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet wurden. Bei diesen Grabungsarbeiten konnte allerdings nicht das gesamte Gräberfeld erschlossen werden.

Das ursprünglich mit Heide und Buschwerk besetzte Gräberfeld liegt auf der Niersterrasse unweit vom Herringschenhof in der Gemarkung Keppeln; die Gräber waren alle nur mäßig tief in den Braunerdeboden eingeschnitten. Unter der durchschnittlich 10 cm starken Humusdeckschicht lagen sie größtenteils in 20-30 cm Tiefe. Mehrheitlich handelte es sich um sogenannte Brandgrubengräber, die als die gebräuchlichsten Beisetzungen zu dieser Zeit am Niederrhein zu bezeichnen sind.

Die ältesten ausgegrabenen Gräber wurden in den Zeitraum zwischen 60 und 70 n. Chr. datiert; in der ersten Hälfte des 2. Jh. war die Belegung besonders stark. Die spätesten freigelegten Gräber reichten in die Zeit bis 220 n. Chr.

In welchem germanischen Stammesgebiet das Gräberfeld von Keppeln genau lag, konnte Stampfuß nicht angeben; es gehörte mit großer Wahrscheinlichkeit zum Gebiet der Kugerner (Cugerni) , möglicherweise aber auch zum Stammesgebiet der Baetasier. Dem Gebiet der Kugerner ordnet man die römische Siedlung COLONIA ULPIA TRAIANA zu, das heutige Xanten.

Es wird im übrigen angenommen, daß es zu römischer Zeit zwischen Rhein und Maas eine Wegeverbindung gegeben hat, die von Altkalkar (Burginatium) – das nördliche Gemeindegebiet von Uedem streifend – über den Asperdener Burgus nach Cuijk in den Niederlanden geführt hat.

Mitte des 5. Jh. endet die römische Herrschaft durch den Abzug der militärischen Streitkräfte; es folgt die Zeit der fränkischen Landnahme, in der das niederrheinische Land wegen seiner landwirtschaftlichen Nutzbarkeit erneut besiedelt wird. Entsprechende Funde gibt es im Uedemer Raum für diese Zeit allerdings nicht.

Die Franken nahmen vermehrt von den verlassenen römischen Gutshöfen und Ländereien Besitz und gründeten im 5. und 6. Jh. Ortschaften, denen sie ihre eigenen Namen gaben. Auch heute findet man Ortsnamen fränkischen Ursprungs, die als Endsilbe das Grundwort „Heim“ aufweisen. Diese Orte sind größtenteils als Kirchdörfer anzusehen. Meistens entwickelte sich ein solcher Ort aus dem Haupthof einer Grundherrschaft, auf deren Grund und Boden ihr Besitzer die erste Kirche der Gemarkung als Eigenkirche gebaut hatte. Es war üblich, an den Vornamen des Hofbesitzers die Endsilbe “ heim“ anzufügen. Die schon zur Zeit der römischen Verwaltung meist minderfreien einheimischen Bewohner wurden – sofern sie nicht auf ihrem Besitz blieben – auf die neu gegründeten fränkischen Höfe umgesiedelt, um dort den fränkischen Herren zu dienen.

Eine erste urkundliche Erwähnung des Raumes von Uedem erfolgte 855, als König Lothar Ir. dem von den Normannen aus dem Batavergau zwischen Rhein und Waal verdrängten Gaugrafen Ansfried auf Bitten des Lorscher Abtes Samuel das östlich der Niers gelegene Allodium „to Geitsvoort“ oder „Villa Geizefurth als Schenkung übertrug, das Ansfried bisher als Lehen hatte. Am 5. Oktober 866 überträgt Ansfried sein Eigentum „in pago Hattuaria in odeheimero marca in villa que dicitur Geizefurt que sita est super fluvium Nersa“ der Abtei des hl. Cyriakus zu Lorsch. Die Schenkung besteht aus dem Herrenhof, drei dazugehörigen Zinshöfen und 19 Katen für Unfreie, einer Basilika, 64 Knechten und einem großen Waldgebiet östlich der Niers in der Bauernschaft Geizefurt in der Uedemer Mark.

Das Kloster Lorsch an der Bergstraße verfügte durch zahlreiche Schenkungen aus der Zeit Karls des Großen und Ludwigs des Frommen bereits vor 855 über ausgedehnte Besitzungen in den Gegenden von Nimwegen und s’Hertogenbosch. Durch weitere Schenkungen von Ludwig dem Deutschen hatte sich die Abtei zu einer der großen Grundherrschaften am Niederrhein entwickelt.

Der Name „Uedem wird erstmals 866 im „Codex Laureshamensis“ als „odeheimero marca urkundlich erwähnt. Die Schreibweise änderte sich im Laufe der Jahrhunderte: Odoheim, Othehem, Oudhem, Uthehem, Uedem (1655). In den Zinsregistern des ältesten Xantener Totenbuches („Codex Monasteriensis“) Sammlung Angerhausen taucht um 1100 der Name Oethehem auf. Die bisher fehlenden Angaben über die Ausdehnung der ‚Uedemer Mark lassen keine eindeutige Ortsangabe zur „villa Geizefurt“ zu. 1326 wird von einem geldrischen Lehen „Gyetuordereyen“ gesprochen, 1367 von „borch end huys van Keruenem end Gbeytsvoerdereygben „, das dem Grafen von Kleve gehören soll, aber noch nicht Teil der Grafschaft Kleve ist. Es kann angenommen werden, das es sich um den heutigen Bereich zwischen Schaddenhof und Geurtshof handelt.

Die frühe Namensnennung von Uedem im Jahre 866 lässt auch auf eine frühe Kirchengründung schließen. Im „Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands“ heißt es, dass spätestens in karolingischer Zeit bei dem fränkischen Gutshof Odeheim eine dem hl. Laurentius geweihte Kirche gebaut wurde, die mit ihrem Grundbesitz als königliches Gut zur Ausstattung des Xantener Viktorstiftes gehörte, so dass davon auszugehen ist, dass die Kirche als bischöfliche Eigenkirche gegründet wurde. Sie dürfte somit zu den Urpfarreien des Niederrheines zählen, von der später Weeze als Tochterkirche abgetrennt wurde (Ende 9. Jh.).

Man kann annehmen, dass um 800 n. Chr. eine erste Holzkirche errichtet worden ist, die etwa im 10. Jh. durch eine Tuffsteinkirche ersetzt wurde. Irgendwelche Fundamentreste von diesen Bauten sind bis heute nicht bekannt. In einer kurzen Notiz von 1267 im Pfarrarchiv Xanten wird angegeben, dass die Kirche zu Uedem zum Landdekanat Weeze im Dekanat Geldern gehört und die Einnahmen den Präbenden (Pfründen) des Stiftes Xanten einverleibt werden.

Infolge der großen Stadtbrände von 1617, 1685 und 1796 und des Archivbrandes in Xanten im Jahre 1109 wurden alle historisch wertvollen Urkunden und Quellen vernichtet. Auch bei den Kriegshandlungen 1945 ist umfangreiches Quellenmaterial verloren gegangen.

Uedemerfeld

Die Ortsgeschichte von Uedemerfeld, mit Uedem eng verbunden, ist als Waldhufensiedlung (Reihendorf) erwähnenswert. Die Siedlung hat keinen geschlossenen Dorfcharakter, sondern besteht aus einzelnen Höfen und Hofgruppen mit einem Zwischenraum bis zu 250 m zwischen den Hofanlagen, so daß man auch von einer Höfereihe sprechen kann. Die im Katasteramt Kleve befindlichen Urrisse von 1831 zeigen, daß es sich zu dieser Zeit um 30 Höfe gehandelt hat, die ihren Besitz fast ausschließlich in zusammenhängenden Streifen vor und hinter den Hofgebäuden liegen hatten, mit einer Breite von ca. 150- 250 m bei den nördlichen und 30-50 m bei den südlichen Anwesen, jedoch immer mit Hofanschluß. Es handelt sich hier um eine längsgeteilte Hufenflur.

Im nördlichen Teil der Höfereihe liegt der bereits zu Beginn des 13. Jh. erwähnte Papenhovenhof, der ursprünglich ein Unterhof des Stiftes Xanten war und zu dem eine große Anzahl von Behandigungsgütern (Pachthöfe) gehörte, so auch die meisten Höfe von Uedemerfeld. Das im Stiftsarchiv von Xanten liegende Akten- und Urkundenmaterial ermöglicht es, exakte Grenzbeschreibungen für die Zeit seit 1500 nachzuvollziehen, desgleichen einen genauen Überblick über die Besitzstruktur dieser Siedlung in den letzten 450 Jahren zu geben. Die früheste urkundliche Erwähnung findet Uedemerfeld in einer Urkunde vom I. August 1236, in der sich Graf Dietrich VIII. von Kleve und sein Sohn Dietrich mit dem Stift Xanten vergleichen. Wie bereits erwähnt, waren Richter- und Botenamt mit Uedem und Uedemerbruch zusammen in Personalunion ausgeübt worden, auch kirchlich gehört Uedemerfeld zu Uedem.

Uedemerbruch

Das Bruchgebiet außerhalb der Hufensiedlung wurde von den Grafen von Kleve als Eigentum angesehen. Einen Teil davon gaben sie 1295 gegen Erbpacht und Zehnt an bäuerliche Kolonisten, welche die Siedlung Uedemerbruch gründeten. Sie erhielten das Privileg, Heimräte und einen Richter wählen zu dürfen, die Entscheidungsvollmacht in allen Entwässerungsfragen hatten. Die Bruchkolonisation umfaßte 1318 etwa 44 Hufen, die auf 75 Besitzer verteilt waren. Die Kolonisation des Uedemer Bruchs durch „Broekers“(d. h. Marschenkolonisten)ist im Zusammenhang mit der größten planmäßigenNiederungskolonisation im deutschen Rheingebiet zwischen der Mitte des 13. und 14. Jh. zu sehen, als von den damaligen weltlichen und geistlichen Grundherren versucht wurde, die versumpfte niederrheinischeTalaue zwischen (Kranenburg-) Zyfflich und Xanten einerseits und von (Emmerich-) Elten bis zur Lippemündung andererseits trockenzulegen und zu kultivieren. Dabei bediente man sich der Fachkenntnisse der Holländer, die sich nach Abschluß von Kolonisationsverträgen in geschlossenen Siedlungsgruppen hier niederließen; in diesem Zusammenhang sei u. a. auf die Kolonisierung des Kranenbruchs, Tiller Bruchs und Ringenberger Bruchs verwiesen.

Nach einer Untersuchung von Dieler Kastner handelte es sich hier allerdings nicht um eine „Masseneinwanderung aus Holland an den Niederrhein; die bei weitem meisten Personen, die an dem Kolonisierungswerk beteiligt waren, sind Einheimische gewesen.“ Dies trifft insbesondere für die Unternehmungen der späteren Phase im 14. Jh. zu, als Einheimische die Technik der Trockenlegung inzwischen kennengelernt hatten.

Bei der Stadterhebung von Uedem behielten 1359 die Bewohner der damals kaum mehr als 100 Personen umfassenden Bruchkolonien ihre durch Privilegien abgesicherte rechtliche Sonderstellung.

Hier der kopierte, bebilderte Hohmann-Artikel


Der folgende Artikel erschien im Jahrbuch 2014 des Arbeitskreises Weezer Heimatgeschichte e.V.

 Siegwart Graf zu Eulenburg und Hertefeld: Die wechselvolle Geschichte des Hauses Kolk in Uedemerbruch


 

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