Uedem Einzigartig — lebenswert und liebenswert

Bürgerinitiative für eine wirksamere und günstigere Alternative zum Bau einer B67n als geplant

Zitate

„Es war mir ein großes Bedürfnis, ein Buch zu machen über meinen geliebten Niederrhein, ein Buch das möglichst umfassend ist, das die Landschaften in all ihrer Vielfalt zeigt, das die reiche Geschichte und Kultur der Region beleuchtet…

Ich wünsche mir, dass der Funke auf den Leser überspringt, dass er beim Betrachten der Bilder Lust bekommt, auf eigene Faust dieses reiche Land zu erkunden.

Gebe Gott, dass es in seiner Schönheit erhalten bleibt! Dass der Mensch nicht weiter Raubbau treibt an der Natur und der alten Kulturlandschaft des Niederrheines, dass Behutsamkeit die Verantwortlichen leiten möge!

Als grüne Insel inmitten von Ballungsräumen auf deutscher und auf holländischer Seite sind die leisen niederrheinischen Landschaften kostbare grüne Juwelen, sie sind begehrte und vielfach genutzte Naherholungsgebiete für Millionen.“

Aus „Geliebte Niederrheinlande“ von Annabel Gräfin von Arnim, Vorwort Seite 9, Pagina


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„Im Osten des Städtchens Uedem am Niederrhein erstreckt sich weit über die Landschaft ein langer Endmoränenhöhenzug. Wandert man auf dieser Anhöhe entlang, erblickt man ein weites, grünes und stilles Urstromtal, in dem wie an einer Perlenschnur aufgereiht alte stolze Bauerhöfe liegen. Sie fügen sich harmonisch in die Landschaft ein, gerade also ob sie seit Urzeiten an ihrem Platz stünden. Vor den Höfen steigen die fruchtbaren Felder langsam an zur Anhöhe, unterteilt von Hohlwegen, die seit Jahrhunderten tief in den Hang gespült wurden. Und hinter den Höfen erstrecken sich in der feuchten Niederung Weideland und Eichenwald. Die Höfe selbst sind umgeben von Obstwiesen, in denen unter alten Obstbäumen Jungrinder oder Sauen grasen. Ein friedvolles Bild.“

Aus „Lebensfarben“ von Annabel Gräfin von Arnim, Seite 117, Mercator Verlag


„In Uedemerfeld, diesem langgezogenen Tal, lagen die Höfe schwer und ruhig in einer langen Reihe. Blickte man von der Anhöhe auf sie herab, so schien es, als hätten sie von Anbeginn der Zeit zu dieser Landschaft gehört. Mit ihren dunklen Gemäuern und schwarzen Dächern, umgeben von Obstbäumen, fügten sie sich harmonisch in das Bild aus Feldern, Wiesen und Wäldern.“

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Hofreihe mit schwarzen Dächern

„Die letzten Jahre meiner Schulzeit bescherten mir einen besseren Schulweg, den ‚Scholtenschen‘ Hohlweg vom Nachbarhof nach Uedem, der frisch asphaltiert worden war, so wie auch kurz zuvor der Uedemer Feldweg, der an den Höfen entlang führt.“

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Der neu asphaltierte Weg

„Dort radelte ich nun dahin, froh, endlich der Höllenangst in unserem dunklen Hohlweg entronnen zu sein.“

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Dunkler Hohlweg

„An jedem Morgen stand ich noch einen Moment lang oben auf dem Berg und schaute zurück in das geliebte Tal. Im Winter war es mit Nebelmilch vollgegossen und eine riesige rote Sonnenscheibe stand über dem Waldsaum am Horizont. Im Sommer glitzerte der Tau in den Bruchwiesen, es war noch etwas dunstig und der Hof lag verwunschen und still inmitten seiner Felder und Weiden. Im Frühjahr zeigten sich die vielen wilden Kirschen in den Hohlwegen und Wäldern und die Schlehdorne im weißen Brautkleid, dazu das helle grün der Buchen und das leuchtende gelbgrün der Eichenwälder. Im Herbst dann ein Aufflammen in allen Farben, vor dem Thelenhof die abgeernteten, stillen Felder und das junge Grün der Saaten.

In all den Jahren meines überaus glücklichen Lebens auf dem Thelenhof und meiner Hingabe an alles, was der Betrieb von mir forderte, reifte langsam aber sicher der Entschluss in mir, den Hof später ganz zu besitzen und deshalb Landwirtschaft zu lernen. Dieses Stück Erde, das für mich den Himmel bedeutete und das ich mit Pferden so viele Male bearbeitet hatte, liebte ich über alles. Der Blick vom obersten Feld hinunter auf den Hof — mit seinen drei weißen Giebeln, den Pferden, die in der Obstweide grasten zwischen den bunten Hindernissen, dem Wald und den Wiesen — diesen Anblick wollte ich niemals missen und war bereit, dafür alles zu geben und zu tun. Mein Entschluss stand bald fest.“

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Blick hinunter auf den Thelenhof mit seinen weißen Giebeln

„Viele Leute ziehen hier heraus, die im Industriegebiet Rhein-Ruhr Arbeit haben. Der Bau zweier Autobahnen verhilft ihnen zu kurzen Anfahrtszeiten. Die Menschen suchen hier draußen Ruhe, reine Luft und heile Landschaft, was sie anderswo schon verloren haben. Wenn es jedoch mit dem Bauboom so weitergeht, sehen sich viele von ihnen bald wieder vor denselben Problemen wie vor ihrem Umzug an den Niederrhein.

Der Kreis Kleve liegt wie eine grüne Insel inmitten großer Ballungsräume: Im Nordwesten Holland, im Südosten das Ruhrgebiet. Immer noch ist er trotz aller Bautätigkeit vom ländlichen Leben geprägt und die Landschaft hat noch ihren bäuerlichen Charakter bewahrt. Wie seit Urzeiten, so scheint es, liegen die Höfe wie baumumstandene Inseln in ihr verteilt. Der einzige Schornstein in unserer Landschaft raucht nur von September bis Jahresende, und weithin ist dann seine weiße Windfahne sichtbar: unsere Zuckerfabrik in Kalkar. Der schnelle Brüter, jener Riesenklotz, den man für sieben Milliarden in die friedliche niederrheinische Landschaft gesetzt hat, ist nie in Betrieb genommen und längst ein florierender Vergnügungspark geworden.

Die Menschen kommen in unsere Wälder, um spazieren zu gehen. Sie kommen, um durch unsere Felder zu radeln und um auf unseren Flüssen zu paddeln. Sie benutzen mit ihren Pferden unser herrliches Reiterwegenetz und baden in unseren vielen Baggerseen…“

„Auch zu uns auf den Thelenhof kommen Gäste. Sie wohnen in unseren Gästezimmern oder sie schlafen im Stroh und grillen auf dem Grillplatz am Vorderhof. Sie frühstücken in der Sonne im Garten und feiern des Abends im Pferdestall.

Manchmal gibt es auch große Feste auf der Tenne: Hochzeiten oder Einstandsfeste von Mietern, große Geburtstage, Kameradschaftsabende… es ist also immer was los. Aus der Liebe zum Thelenhof erwachsen uns immer neue Aktivitäten.“

Aus: „Die Farbe der Erde“ von Annabel Gräfin von Arnim, Seiten 19, 96-97; 250-251; bei Mercator


Eine Region im Verständnis ihrer Schriftsteller

Der folgende Teil referiert die Ergebnisse einer Umfrage des Jahres 1999 …..

Dabei wurden etwa 500 Schriftsteller der Region angeschrieben …..

Die befragten Autoren haben keine einheitliche Herkunft. Viele zwar wurden in der Region geboren oder wuchsen hier auf, für andere wurde der Niederrhein zur Wahlheimat. Gemeinsam war ihnen gleichwohl, ob angeboren oder zugewachsen, eine außerordentliche Verbundenheit mit dem Lebensraum Niederrhein. Sie sind also bekennende Niederrheiner. Die Zuneigung zur Landschaft und die Liebe zum Fluß spielen bei vielen eine große Rolle. Sie haben das Gefühl der Dazugehörigkeit, empfinden die Gegend als Heimat, als Rückzugsort für Menschen, die inzwischen in einer anderen Gegend wohnen, sie möchten auch den Lebensabend am Niederrhein verbringen. Autor Dirk Jansen schreibt:

„Wenn ich, von außerhalb kommend, mit dem Zug beispielsweise aus dem Duisburger Hauptbahnhof in Richtung Krefeld hinausfahre und den Rhein überquere, schließlich die ersten Felder und Kopfweiden sehe, stellt sich in meinem Magen so ein wohliges Gefühl ein, das schwer zu beschreiben ist. ‚Nachhause kommen‘, vielleicht ist es ganz einfach das. Der Niederrhein wurde, wo immer ich auch war, stets mit dem Begriff zuhause gleichgesetzt.“

Als charakteristische Eigentümlichkeiten dieser von Gegensätzen geprägten Landschaft werden immer wieder erwähnt:

  • Hecken und Mischwald, Kopfweiden, Trauerweiden, Pappeln, Erlen, Eichen, Buchen, Binsen
  • fruchtbares Ackerland, Rinder- und Schafweiden, Landwirtschaft pur, Kappesfelder [=Sauerkohl, Sauerkraut], Weizenfelder, Rübenäcker, Kornfelder, Spargelanbau, Streuobstwiesen, Blumenzucht, früher Tabakanbau und Tabakwarenproduktion in manchen Gebieten, Ziegeleien, Flachsanbau
  • schwarzbunte Kühe, Schafe, freilaufende Schweine, Pferde (Kaltblüter); Graugänse, Reiher, Brachvögel, niedrig fliegende Schwalben und Mauersegler, Käuze
  • blaßblauer Himmel, Nebel, Regen, Dunst.

Zur Landschaft gehören auch die Ansiedlungen. Hervorgehoben wird die Reihe von geschichtsträchtigen kleinen Orten mit großen Kirchen; typisch seien Wasserburgen, Wassertürme, Windmühlen, Herrenhäuser und Gehöfte, besonders „Bauernhöfe aus braunem Backstein mit grünen Toren“ (Gisela Groener). Neben Giebelhäusern fänden sich vor allem rote Backsteinbauten, auch Backsteingotik. Auffällig sei die Geschlossenheit und der eigene Charakter der Ortschaften.

Doch finden sich auch Klagen über die fortschreitende Zerstörung einer Landschaft…

Wie empfinden die Bewohner die Region Niederrhein? Für viele lässt sich die Region eher über Empfindung und Gefühl definieren als über exakte empirische Argumente. Der Begriff sei eher „emotional“ (Harald K. Hülsmann) oder habe eine „romantifizierende Komponente“ (Norbert Blume). Die Gegend …. sei überschaubar und eigne sich bestens für Radtouren, der Niederrhein habe die längsten Radwanderstrecken.

Sie sei ein „Rückzugsgebiet für Streßgeplagte“ (Hans van Ooyen). Das typische Niederrhein-Gefühl komme nur abseits der Großstädte auf, das Gefühl der Uneingegrenztheit, der Stille, des Abwartens, der Behaglichkeit, der (inneren) Ruhe und des Sichfindens. Ein Hauch von Melancholie, von Schwermut liege über der Landschaft, „ein Schuss Verlorenheit, eine Portion Größe“ (Liane Dirks).

Was kann man in solch einer Region tun, um ihr geistig näher zu kommen, sie zu verstehen? Lakonische Antwort: „Böll lesen, Hüsch hören“ (Keko Srdan). In der Tat finden sich bei Hüsch zahlreiche poetische Auslassungen über den Niederrhein, etwa im Gedicht „November“:

„Die Flüsse liegen schwarz und still, / Die Sonne weiß nicht, was sie will, / und überhaupt macht diese Landschaft / mit der Melancholie Bekanntschaft.“

Aus: „ Zu Haus am Niederrhein “ von Gunter E. Grimm


„Die Kulturlandschaft, die uns heute in ihren vielfältigen Ausprägungen umgibt, ist das Ergebnis vieler Generationen der Besiedlung und Nutzung des Landes. Die verschiedenen menschlichen Aktivitäten hinterlassen ihre Spuren in der Landschaft. Die Kulturlandschaft ist damit gerade in einem so dicht besiedelten Raum wie dem Land Nordrhein-Westfalen das umfassendste Archiv der menschlichen Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte – gleichsam das Langzeitgedächtnis der Gesellschaft.
Die Kulturlandschaften bilden damit die Grundlage der regionalen Identität, sie stiften „Heimat“. Es gilt daher, die Charakteristika der Kulturlandschaften für nachfolgende Generationen zu erhalten und sie verantwortungsvoll zu gestalten und weiterzuentwickeln.“

Aus dem umfassenden Gutachten der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland zu den Kulturlandschaften im Land für das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (s. unter Gutachten Nr. 7) 


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3 Kommentare zu “Zitate

  1. Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.
    Arthur Schopenhauer

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  2. Die Zitate sind gut gewählt. Sie vermitteln ein Gefühl dafür, was Verbundenheit zur Heimat und ihrem Brauchtum, ihrer Landschaft mit Flora und Fauna so bewahrenswert macht. Diese Verbundenheit ist von unschätzbarem Wert für ein frohes und gesundes Miteinander, bei dem Muße und Erholung nicht zu kurz kommen.
    Hans Behringer, Uedem

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  3. „Der Niederrhein und die Landschaft um Uedem sind mir seit meiner Jugend vertraut, da meine Eltern mit mir und meiner Schwester hier an Wochenenden Ruhe vom Lärm und von der Geschäftigkeit der Großstadt suchten. Seit einigen Jahren bin ich nun selbst nach Uedem gezogen und der Ort ist mir bald zur zweiten Heimat geworden. Besonders zieht mich die weite Landschaft im Osten an. Ich liebe es, durch die Hohlwege zu schlendern, den diversen Vogelstimmen zu lauschen und mich von dem Wechselspiel von Licht und Schatten immer wieder neu überraschen zu lassen, dann den Uedemerfelderweg an den Gehöften entlang zu wandern und mich von der Stille der Brüche gefangen nehmen zu lassen.

    Diese Ausflüge sind Nahrung für meine Seele und tragen sehr zu meinem körperlichen Wohlbefinden bei. Darum wünsche ich mir, dass der Zauber und der Charme dieser in Urzeiten entstandenen Landschaft erhalten bleiben. Eine Zäsur, sprich Bau der geplanten Straßentrasse, würde sie unwiderruflich zunichte machen. Das Einzigartige würde verloren gehen. Gibt es nicht schon zu viel zugepflasterte Natur?!“

    Hermann L., Uedem

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